Vom Murauer zu Gösser – per Rad die Mur entlang

Geplant wars nicht – aber Start- und Zielpunkt meiner (teilweisen) Befahrung des Murradweges R2 war für mich gleichbedeutend mit dem steirischen Bier-Himmel und Bier-Hölle. Von Murau – Heimat des göttlichen Murauer Gerstensaft – bis nach Leoben – Geburtsstadt des unsäglichen Biers mit dem grünen Label Gösser – führten die zwei der insgesamt acht Tages-Etappen des Murradweges. Dieser Radweg startet am Ursprung der Mur im Lungau und endet bei der Mündung der Mür in die Drava in Kroatien.

Die Befahrung des Murradweges war ein Geburtstagsgeschenk an meine Mutter, von der ich meine Bike-Infektion habe. Weil eine entspannte Wochenend-Tour das Ziel war und wir höhenmetermässig ähnlich relaxed bleiben wollten, fiel meine Wahl auf Tagesetappe 3 und 4 des gesamten Murradweges.

Cooles Murau

Start der 1. Etappe war in Murau. Die Tour war auch der erste Einsatz meines neuen Innen-Radträgers von bikeinside. Nach einer recht langen Hitze-Welle war die Wettervorhersage des Wochenendes mehr auf der nassen Seite. Aber wozu gibt es Regenhüllen für Radrucksäcke bzw. Zip-Lock-Bags. Außerdem kann bei Sonnenschein jeder Radfahren, verschieben kam daher gar nicht in Frage. Im Gegensatz zum durchgeglühten Wien, war es in Murau, dem Start unserer 1. Tages-Etappe schon angenehm kühl. Die Lage unseres Hotels direkt an der Mur war auch für eine kühle entspannte Nacht hilfreich. Es gibt nix entspannteres als das Rauschen eines Flusses.

Tag 1 – Trust the Wetterbericht

Murradweg Tag 1 - what goes up

Auch gut ausgerüstet mussten wir nicht unbedingt mit Gewalt in einer Gewitter/Regenfront radfahren. Dem Wetterbericht vertrauend gings daher frühmorgens gleich nach Frühstück los. Wir waren neben vielen ungarischen Bikern nicht nur die einzigen Gäste aus Österreich, sondern auch die einzigen die ihre Bikes per Muskelkraft bewegen. Durch Murau gings dann los Richtung Judenburg, Ziel der 1. Tages-Etappe. 51,1 km und 693 hm warteten auf uns. Diese nackten Zahlen manifestierten sich auch in einem munteren Bergauf und Bergab. Ähnlich dem Neusiedlersee-Radweg, zeigt sich die Mur weniger oft als erwartet. Der Radweg folgt in dieser Etappe größtenteils Nebenstrassen und asphaltierten Wegen. Kilometer auf größeren Strassen waren am 1. Tag daher eher Mangelware.

So richtig viel Verkehr war auf dem Radweg auch nicht wirklich – den ganzen Tag begegneten uns nicht mehr als 10 RadlerInnen. Das waren weniger als die vielen Bauern-Katzen die uns über den Weg liefen und mitunter mit uns oder unseren Rädern kuschelten.

Bike-Kuscheln

Die Landschaft in der wir unterwegs waren, ist nicht nur ausgesprochen pittoresk sondern auch eher unterbevölkert. Infrastrukturell gabs auch nicht viele offene Lokale oder Geschäfte. Ausgeglichen wurde das durch die Möglichkeit viele malerische und kleine Ortschaften durchqueren zu können, die ein richtiges „Land-Feeling“ aufkommen ließen.

Murradweg Tag 1 - Mehr als nur retro

Einige giftigere Passagen – sei es ein längerer Anstieg am Fuße des Schloss Sauerbrunn oder eine beinah-schon-Mountainbike Abfahrt auf einer längeren Forststrasse sorgten nicht nur für Abwechslung, sondern auch für die Gewissheit, daß das Rennrad zurecht nicht die ideale Wahl für diese Etappe war.

Und so waren wir richtig früh schon in Judenburg.

Ortsschild statt Zielflagge

Und keine Minute zu früh. Kaum erreichten wir den Bahnhof und den Zug zurück zum Startpunkt um mein Auto nachzuholen, entschieden sich die fetten grauen Regenwolker uns nicht mehr nur zu begleiten sondern sich intensiv und länger andauernd zu entleeren. Regenwetter aus dem Zugfenster zu beobachten macht definitiv mehr Spass als mittendrin zu fahren. Und so ging der Tag entspannt und nass in Judenburg zu Ende. Dass Judenburg an einem Samstag Abend in der Hauptsaison menschenleer ist und dass in einer steirischen Pizzeria alles ausser Pizza eher suboptimal schmeckt waren dann nur mehr Nebenbeobachtungen die den positiven Gesamteindruck des 1. Tages zu nicht zu trüben vermochten.

Murau – Judenburg in Zahlen

Tag 2 – Mit Speed nach Leoben

Für den zweiten und letzten Tag stand die 4. Tages-Etappe von Judenburg nach Leoben auf dem Speiseplan. Die durchregnete Nacht resultierte in niedrigeren Temperaturen. Kein Badewetter dafür ideal für ein paar Kilometer Radfahren. Und die Kilometer waren um einiges schneller als die des ersten Tages. Die zweite Etappe war auch hinsichtlich Optik und Charakter unterschiedlich. Richtung Leoben ging es gefühltermassen durchgehend leicht bergauf. Ein paar kleine Anstieg konnten das  Gefühl auch nicht vertreiben. Statt Nebenstrassen und Forststrassen war „Kilometerfressen“ auf Strassen angesagt.

Bergauf Richtung St. Michael

Mit meiner Mutter im Windschatten waren diese Kilometer sehr schnell abgehakt. Auch wenn meine Mutter fehlendes Training im Vorfeld beklagte blieb sie brav an meinem Hinterrad. Panoramamässig war da im Gegensatz zum ersten Tag leider auch weniger zum Verpassen. Auch die Mur versteckte sich noch mehr als auf dem Weg nach Judenburg. Dem Spass am Radfahren tat dies allerding keinen Abbruch. Und wesentlich schneller als bei der ersten Etappe war das Ortsschild von Leoben erreicht. Und als Belohnung gabs dann echte steirische SportlerInnen-Nahrung. Gewicht wollten wir dann doch keines verlieren an diesem Wochenende.

"Carboloading" auf steirisch

Statt einem isotonischen Hopfengetränk – Gösser Nein Danke – rundete ein gespritzter steirischer Most ein mehr als feines Radwochenende in der Grünen Mark stilgerecht ab.

Zielphoto Leoben

Judenburg – Leoben in Zahlen

Visuelle Impressionen

2015 07 Murradweg mit Mutter

Written by Manuel